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Bericht vom 15.06.05


So bleiben Kindheitsträume nicht auf der Strecke
Ein Hobby immer auf der Überholspur: Carrera-Rennbahn für Erwachsene 

Mit 14 Volt unter der Motorhaube jagen die Autos des „Slotcar Club Ruhr“ über die Piste. Das sind eindeutig ein paar Volt zu viel für kleine Männergemüter, deshalb gehört die Carrera-Bahn auch großen Jungs. Einer von ihnen ist Dirk Bockholt, der sich mit seiner Leidenschaft für unsere Serie „Wir stellen Ihr Hobby vor“ bewarb. 

Wer kennt sie nicht, die zweispurige Carrera-Bahn, die in Form einer großen „8“ fast jedes Kinderzimmer ziert oder im Zweifelsfall im Wohnzimmer im Weg steht. Genauso so eine hatte auch SÜD ANZEIGER-Leser Dirk Bockholt mal, als Kind versteht sich. „Mit acht Jahren schenkten mir meine Eltern die Carrera-Bahn, die mir bis zur Pubertät sehr wichtig war“, erinnert sich Dirk Bockholt, der sich allerdings ebenso gut daran erinnert, dass ihm mit der Pubertät andere Themen wie Fußball, Handball und Mädchen wichtiger wurden. Also parkte man die Miniatur-Autos fürs erste irgendwo in der Wohnung und ließ sie später verschwinden. So oder so ähnlich verlief es auch bei Andreas Bruckert, dessen Eltern jedoch leichtsinniger oder in weisser Voraussicht das gute Stück erst einmal auf dem Dachboden deponierten. Dort überlebte das Kult-Spielzeug über Jahrzehnte einige Frühjahrsputz- und Entrümpelungs- aktionen, bis sich Andreas Bruckert sich dessen entsann und seinen Nachbarskindern etwas gutes tun wollte: „Wir sind eines Tages los, um Andreas´ Carrera-Bahn für die Kinder in deren Wohnung aufzubauen“, berichtet Dirk Bockholt. Doch dann geschah etwas unvorhergesehenes: Die beiden Männer hätten sich gerade ein unverrückbares Image als aufopfernde und hilfsbereite Onkel verschaffen können, als sie beim Zusammenbauen auf den Geschmack kamen und es für sie nur noch hieß „Back to the roots!“ „Wir hatten richtig Spaß daran, mitzufahren und so kam es, dass wir uns einmal in der Woche trafen, um uns auf die Carrera-Bahn zu stürzen. Naja, und die Kinder, die durften dann auch erst einmal mitspielen“, so Bockholt amüsiert. Doch auf Dauer eignete sich das fremde Wohnzimmer nicht wirklich dafür, Treffpunkt für eine handvoll Männer zu sein, die sich an ihre Kindheit erinnert fühlten.

So kam es, dass am 29. Juni 2002 in gemütlicher Runde spontan die Gründung des Clubs beschlossen und schriftlich festgehalten wurde. Die Gründungsmitglieder Andreas Bruckert, heute Präsident, Dirk Bockholt, inzwischen Schatzmeister und Christian Risse, Schriftführer des Clubs, sollten nicht lange unter sich bleiben. Binnen weniger Monate zog der „Slotcar Club Ruhr“ an seinen ersten Standort, ein Clubraum, auf dem die ehemalige und wieder zurückeroberte Carrera-Bahn von Andreas Bruckert einen neuen Platz fand und erst einmal auf vier Spuren und 21,67 Meter ausgebaut wurde. Die Zeiten der Renntage auf „Andreas´ Wohnzimmerbahn“ waren endlich vorbei, die Expansion versprach unbändigen Fahrspaß.

Doch es hielt den Club auch dort nicht sehr lange. Der nächste und derzeitige Standort wurde im Januar 2004 bezogen, nachdem man die ehemalige Gaststätte in Eigenregie aufwendig renoviert hatte. Und weil die Männer schon mal dabei waren, möbelten sie auch die Bahn noch mal richtig auf: Sechs Spuren schlengeln sich jetzt auf einer Strecke von 37,8 Metern mit einem Kurvenanteil von 40 Prozent und der längsten Geraden von 7,94 Metern durch den Raum. 150 Meter Kabel wurden unter der Bahn verlegt, um eine optimale Versorgung der Anlagenelektronik zu gewährleisten. Schließlich gibt es einen „Rennbahnmanager“, eine „Spannungseinspeisung im Sternsystem“, eine „Frühstartüberwachung“ und eine „Ampelsteuerung“. Drei 90-Grad-Kurven fordern den ganzen Carrera-Piloten und sind offenbar kein Hindernis, um die Strecke mit über 300 km/h in 11,3 Sekunden zu meistern, so ebenfalls ist die Bestzeit eines Clubmitgliedes. Jede Erweiterung, jeder Veränderung der Anlage ist ein Thema mit höchster Priorität und erfordert die Zustimmung aller Mitglieder. Einmal in der Woche treffen die sich im Clubraum an der Bocholder Straße 42 in Essen-Borbeck. „Wer Zeit und Lust hat, kommt einfach“, betont Bockholt die ungezwungene Atmosphäre im Club. Gefahren werden darf jederzeit, zumindest für die Mitglieder. Aber auch Aussenstehende haben die Möglichkeit, hier zu fahren, ob mit eigenen oder Club-Autos. Auch für Kindergeburtstage kann die Bahn gemietet werden. Weitere Informationen hierzu unter http.//www.scc-ruhr.de 

Quelle: Süd Anzeiger vom 15.06.05